Von Judith Furrer-Bregy
Die Übung „Holzhacker“ gehört zu den dynamischeren Bewegungsangeboten innerhalb des Erfahrbaren Atems nach Ilse Middendorf. Sie verbindet rhythmische Bewegung, kraftvolle Ausatmung und innere Wahrnehmung. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, die häufig von innerer Unruhe und Reizüberflutung betroffen sind, schafft diese Übung einen regulierenden Ausgleich.
Zielsetzung
- Verbindung von Atem, Bewegung und Ausdruck
- Förderung einer kraftvollen, natürlichen Ausatmung
- Abbau von angestauter innerer oder körperlicher Spannung
- Stärkung der Körpermitte (Becken, Bauch, Stand)
- Zugang zu Selbstwirksamkeit und innerer Stabilität
- Förderung der Selbstwahrnehmung im Nachspüren
Ablauf der Übung
Ausgangsstellung:
Aufrechtstehend, die Füsse hüftbreit auseinander, die Knie leicht gebeugt. Die Handflächen berühren sich, die Arme sind nach oben über den Kopf geführt. Die Schultern bleiben dabei locker.
Bewegung:
Mit der Ausatmung „schlägt“ das Kind die „Axt“ in einem Bogen mit Schwung nach unten – zwischen die Beine, mit gebeugten Knien. Dabei ertönt ein kraftvolles „Ha!“ oder „Huh!“. Wichtig ist: Die Bewegung entsteht aus der Körpermitte, nicht aus den Armen allein. Nach dem Ausatem-Impuls geschieht die Aufrichtung quasi von selbst.
Nachspüren:
Nach einigen Wiederholungen zurück in den aufrechten Stand kommen. Der Atem darf kommen und gehen, wie er möchte. Das Nachspüren ist ein wesentlicher Bestandteil der Übung.
Wirkung
- Stärkung der Ausatemkraft und des reflektorischen Einatems: Durch die Kombination von Bewegung und Laut unterstützt die Übung eine vertieft kraftvolle Ausatmung und den natürlich reflektorischen Einatem.
- Spannungsausgleich: Überschüssige Energie kann über die körperliche Aktion abgeleitet werden.
- Stärkung des Ich-Gefühls: Durch den kraftvollen Einsatz des Körpers in Kombination mit dem eigenen Atem entsteht ein spürbares Gefühl von Präsenz und Selbstwirksamkeit.
- Förderung des Atemflusses und Stärkung der Zentrumskraft: Die rhythmische Bewegung kann stockenden oder hochsitzenden Atem in tiefere Atemräume führen.
- Regulation des vegetativen Nervensystems: Die Übung aktiviert und entlädt sympathikotone Zustände (Unruhe, Anspannung), was anschliessend zu Ruhe und Ausgeglichenheit führen kann.
Hinweise
- Bei akuten Rückenproblemen/-schmerzen sollte die Übung nicht oder nur in abgewandelter Form (z. B. im Sitzen mit reduzierter Bewegung) durchgeführt werden.
- Kinder mit starkem Schreckreflex können bei abrupten Bewegungen und kräftiger Ausatmung irritiert reagieren – hier ist eine sichere Umgebung und klare, empathische Begleitung nötig.
- Nicht geeignet für Kinder mit Hyperventilationstendenz, da der kraftvolle Ausatem möglicherweise eine zu starke Entladung bewirken kann.
Fachlicher Hintergrund
Die Übung folgt dem zentralen Prinzip der Methode Middendorf: Der Atem wird nicht willentlich gelenkt, sondern über die Bewegung eingeladen im Zusammenspiel von Körperaktion, Atemimpuls und Tonuswandel. Die anschliessende Ruhe und das Spüren ermöglichen Integration und Regulation.
Gerade bei Kindern und Jugendlichen wird damit eine Brücke geschlagen zwischen Bewegungslust, Körperwahrnehmung und innerem Erleben – eine wichtige Grundlage für gesunde Entwicklung und emotionale Selbstregulation.
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