Von Britta Erb
Schon als junge Lehrerin spürte ich intuitiv: Bewegung tut gut. 1983, als Bewegung und Tanz langsam in der Pädagogik Fuss fassten, absolvierte ich mit 23 Jahren einen ersten Jahreskurs in diesem Bereich. Die Verbindung von Körper und innerem Erleben faszinierte mich so sehr, dass mir schnell klar war: Ich wollte mehr davon in meine Arbeit einbringen.
Ich absolvierte die Ausbildung in Atem, Bewegung und Musik an der ORB Medau (Organisch-Rhythmische Bewegungsbildung). Diese vielseitige Grundlage konnte ich bei Menschen aller Altersstufen in Einzel- wie in Gruppensettings anwenden. Besonders beeindruckte mich die Breite der Methodik: Atembehandlung, Haltungsarbeit, Organgymnastik, Tonusregulation, Sensomotorik (Wahrnehmung), Musik-Ton-Tonus, Arbeit mit dem Meridiansystem, begleitende Gespräche – all das mit dem Ziel, Menschen ganzheitlich zu begleiten und zu stärken.
Bereits während meiner Ausbildung begann ich mit grosser Freude, Gruppen- und Einzelstunden zu geben. Besonders prägend war die Arbeit mit Kindern, denn 1984 gab es kaum therapeutische Bewegungsangebote für sie. Umso deutlicher war deren Wirkung spürbar. Über die Jahre entwickelte sich daraus eine intensive Arbeit in Kleingruppen und Einzelsettings, vernetzt mit Lehrpersonen, Therapeut:innen und Fachstellen des Kantons Aargau.
Parallel dazu baute ich mein zweites Standbein auf: Fortbildung für Lehrpersonen. Mit der Einführung des Langschuljahres 1988 wurde ich eingeladen, eine Intensivwoche zu gestalten. Über Jahrzehnte hinweg konnte ich so an der FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz) Impulse setzen und meine Inhalte praktisch und theoretisch vertiefen. Dabei entstand eine umfangreiche schriftliche Dokumentation, die Lehrpersonen als Grundlage und Inspiration für ihre eigene Arbeit diente.
In diesem Zusammenhang wollte ich Folgendes noch genauer verstehen: Wie wirkt sich Bewegung auf das Lernen aus? Wie hängen Wahrnehmung und Kognition zusammen? Im Jahr 2007 begann ich ein dreijähriges Masterstudium in Heilpädagogik. In meiner Masterarbeit «Wahrnehmung und Bewegung als Tor zum Lernen» verband ich meine über 20-jährigePraxiserfahrung mit aktuellen wissenschaftlichen und neurologischen Erkenntnissen. Dadurch verlieh ich meiner Arbeit eine neue Tiefe, die ich im Schulbetrieb gezielt einsetzen und im vielseitigen, fachlichen Austausch auswerten konnte.
Mein persönlicher Antrieb war stets mein eigenes Erleben: Wie Atem, Bewegung und Wahrnehmung (Selbstreflexion) auch in belastenden Zeiten tragen können. Wie der «klingende Atem», der Gesang, zur inneren Kraftquelle wird und wie kreative Ausdrucksformen Selbstheilungskräfte aktivieren. Ich bildete mich laufend weiter unter anderem in den Bereichen Atemarbeit, Stimme, Tanz, Meditation, Musik. Dabei haben die Ergänzungsausbildungen in Marte Meo und Spiraldynamik meine Arbeit besonders nachhaltig bereichert.
Heute, nach über 40 Jahren im Schuldienst, bin ich pensioniert – aber keineswegs im Ruhestand. In meiner Praxis zu Hause konzentriere ich mich auf Einzelbegleitungen von Kindern und Erwachsenen und Workshops.
Es begeistert mich nach wie vor, zu erleben, wie Atem, Bewegung und Wahrnehmung nicht nur das Lernen erleichtern, sondern auch Beziehungen stärken, Freundschaften fördern und Menschen auf allen Ebenen berühren – körperlich, geistig, seelisch und kognitiv.
Brigitta Erb https://emr.ch/therapeut/brigitta.erb
Atem-, Bewegungs- und Wahrnehmungstherapeutin sowie schulische Heilpädagogin
