Atemtherapie – Selbstregulation gezielt stärken

Von Martina Pecka

Der Atem – Eine einzigartige Kraftquelle

Der Atem ist immer da. Er begleitet uns in jeder Begegnung, während jeder Anspannung, in jeder stillen Minute. Und er reagiert — auf Gedanken, auf Gefühle, auf das, was der Körper gerade trägt. Das geschieht ohne unser Zutun, meist ohne dass wir es bemerken. Erst wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, fällt es auf: Wir spüren Enge im Brustkorb. Der Atem wird flacher. Das Ausatmen will nicht mehr richtig gelingen.

Solche Veränderungen sind keine Schwäche — sie sind Zeichen eines Organismus, der reagiert. Die Frage ist, wie er wieder zurückfindet.

Selbstregulation — Schwingungsfähigkeit statt Kontrolle

Selbstregulation bedeutet nicht, alles im Griff zu haben. Es ist die Fähigkeit des Organismus, auf Belastung zu antworten und sich danach wieder zu sammeln — wie ein Baum, der sich im Wind bewegt und dennoch verwurzelt bleibt. Die OdA KT beschreibt Selbstregulation als eines der zentralen Behandlungsziele der Komplementärtherapie, eng verbunden mit Selbstwahrnehmung und Genesungskompetenz. Wer den eigenen Körper wahrnimmt, kann auf seine Signale eingehen. Wer das Vertrauen in diese Fähigkeit gewinnt, trägt etwas Wesentliches in den Alltag hinaus.

Atemtherapie setzt genau hier an — nicht mit Übungen, die man „richtig“ machen muss, sondern mit einer Einladung: Wie zeigt sich dein Atem aktuell? Wo im Körper nimmst du Atembewegung wahr?

Begegnung. Vertiefung. Wirkung.

Eine Atemtherapiestunde beginnt mit dem Ankommen und der Begegnung. Die Therapeutin oder der Therapeut nimmt sich Zeit — für das, was der Klient mitbringt, für den Moment, für den Atem, der sich zeigt, bevor irgendjemand etwas tut. Dieses bewusste Begegnen ist bereits therapeutisch und leitet die Therapie-Sequenz ein. Wahrnehmung ohne sofortige Bewertung hat eine regulierende Wirkung auf das Nervensystem.

Im weiteren Verlauf kommen die verschiedenen Wirkprinzipien der Methode ins Spiel: Körperwahrnehmungsübungen, die den Eigenkontakt der Klient:in vertiefen; taktile Berührung, die eine Orientierung gibt, ohne etwas zu erzwingen; und das therapeutische Gespräch, das dem Erlebten Raum und Sprache schenkt. Diese drei Zugänge greifen ineinander. Sie erzeugen keine bestimmte Wirkung — sie schaffen Bedingungen, in denen sich etwas lösen darf.

Viele Menschen erleben in diesem Prozess eine Veränderung der Atmung: Wie der Atem sich weiter ausbreitet, mehr Raum einnimmt, die Atemwelle immer wieder neu entsteht und sich zeigt. Der Atem verändert sich nicht auf Befehl. Er verändert sich, wenn sich jemand sicher fühlt — getragen, in Kontakt, nicht allein. In diesem Vertrauen zwischen Klient:in und Therapeut:in entsteht jene Wohlspannung, aus der heraus Atemtherapie ganzheitlich wirkt.

Atemtherapie hört nicht auf wenn die Therapiesitzung endet. Was in der Behandlung erlebt wird, lässt sich zunehmend in den Alltag mitnehmen — als Körperwahrnehmung, als Fähigkeit, früher zu bemerken, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät, und früher gegenzusteuern. Genesungskompetenz bedeutet genau das: nicht Abhängigkeit von Therapie, sondern wachsende Eigenverantwortung.

Diesen Transferprozess begleiten qualifizierte Atemtherapeut:innen des AFS individuell und ressourcenorientiert — abgestimmt auf das, was jede Person mitbringt und was sie braucht.

Wer findet den Weg in die Atemtherapie?

Menschen, die sich erschöpft, angespannt oder innerlich abgeschnitten fühlen. Solche, die nach einer Erkrankung wieder zu sich finden möchten. Oder einfach Menschen, die neugierig sind, was passiert, wenn sie ihrem Atem einmal wirklich zuhören. Atemtherapie ist von der OdA KT anerkannt und kann über fast alle Zusatzversicherungen abgerechnet werden.

Was wird möglich, wenn du freier atmest?

Vertraue auf qualifizierte Atemtherapeut:innen des Atemfachverbands Schweiz AFS. Auf dieser Seite findest du Therapeut:innen in deiner Nähe

Atemtherapeut:in finden ›